Ummah Day 2010 - Aus dem Schatten ans Licht
Jung, dynamisch, muslimisch: So präsentierte sich der diesjährige Ummah Day am 18. Dezember 2010. Schon seit Anfang Jahr wurde mit der organisatorischen Arbeit für diesen Event begonnen - einer der bisher grössten Anlässe für Musliminnen und Muslime in der Schweiz. Der Ummah Day fand in der Stadthalle Dietikon statt. Mit diesem Anlass sollten nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene angesprochen werden. Mit dem Ziel verschiedenste Menschen egal welcher Nationalität und egal welchen Alters zusammenzubringen und gemeinsam in eine selbstgestaltete neue Zukunft aufzubrechen. Nicht nur Muslime waren eingeladen – der Anlass war offen für alle. Aus der ganzen Schweiz, aber auch aus Nachbarländern (v.a. Deutschland) waren die Besucher zum Ummah Day angereist und konnten diesen wunderschönen Event miterleben. Al hamdulilLah (Gott sei Dank), durfte dieser Tag durchs Allahs (s.w.t.) Hilfe mit grossem Erfolg durchgeführt werden. Lassen wir ihn nochmals kurz Revue passieren…
Das Tagesprogramm
Ab 11 Uhr wurden die zahlreich erschienenen Gäste in die Stadthalle Dietikon eingelassen. Die Tickets für den Event konnten im Vorverkauf über Ticketcorner für Fr. 15.- bis Fr. 25.- (je nach Kategorie) erworben werden. Am Anlass selber boten wir zusätzlich einen Ticketverkauf an.
Das Programm des Tages war sehr abwechslungsreich. Diverse Referenten aus dem In- und Ausland traten auf. Die Vorträge wurden jeweils auf Deutsch/Französisch übersetzt. In den Referaten wurde deutlich, dass Selbstkritik im innermuslimischen Dialog keinesfalls ein Fremdwort ist. Somit wurde das Ziel, die passive, teilnahmslose und gleichgültige Haltung der Muslime zu durchbrechen, erreicht.
Nachfolgend werden die Referenten kurz vorgestellt, welche zu folgenden Themen am Ummah Day 2010 gesprochen haben:
- Cheikh Youssef
Youssef Ibram hat an der Universität von Medina studiert und kam 1983 als Imam in die Schweiz. Er setzt sich stark für die muslimischen Jugendlichen ein. In der Zeit der Anti-Minarett Initiative rief er die Muslime in der Schweiz, wie auch in der islamischen Welt, stets zur Ruhe, Besonnenheit und Geduld auf.
Thema: Die Rolle der Jugend zur Zeit des Propheten
- Hasan Hatipoglu
Herr Taner Hatipoglu ist Präsident der VIOZ (Vereinigung islamischer Organisationen in Zürich), des Dachverbands der muslimischen Organisationen des Kantons Zürichs und setzt sich unermüdlich für die Anliegen der muslimischen Gemeinschaft ein. Dabei ist für ihn Kommunikation der Schlüssel zu einem friedlichen Zusammenleben. Er kam 1973 als Student aus der Türkei in die Schweiz und studierte an der ETH Chemieingenieurwesen und Systems-Engineering. Heute arbeitet er im Informatikbereich einer Grossbank.
Thema: Die aktuelle Situation der Muslime in der Schweiz
- Ferid Heider
Als Jugendlicher verbrachte er seine Tage mit Haschischrauchen und drohte in der Schule zu scheitern. Sein irakischer Vater schickte ihn nach Ägypten, wo er den Islam kennen lernte. Seine polnische Mutter hatte ihn christlich-liberal erzogen. In Ägypten faszinierte ihn der Islam mit seinen klaren festen Regeln. Heute ist Ferid Heider mit 28 Jahren der jüngste Imam in Berlin.
In zwei Moscheen im Wedding und in Neukölln ist er für die religiöse Weiterbildung der Konvertiten und die Erziehung Jugendlicher zuständig. Er predigt und unterrichtet in einer Sprache, die junge Muslime inzwischen besser verstehen als Arabisch oder Türkisch: Deutsch. Anders als die meisten seiner Kollegen, die aus den Heimatländern nach Deutschland entsandt werden, kennt Ferid Heider den Alltag der Jugendlichen: Probleme in der Schule, keine Perspektive am Arbeitsplatz. Mit dem Koran und daraus abgeleiteten klaren Regeln versucht Ferid Heider, sie vor dem zu bewahren, was auch ihm gedroht hat: dem Abrutschen in die Kriminalität.
Thema: Die Moschee - ein Ort zum beten, aber nicht nur...
- Saloua Mohammed
Saloua Mohammed, 28 Jahre alt, ist Mitbegründerin und Pressesprecherin der LIFEMAKERS GERMANY. Die LIFEMAKERS sind eine soziale Jugendorganisation, welche mit dem Ziel, den Menschen in ihrer Gesellschaft Gutes zu tun, diverse Projekte realisieren und damit für ein friedliches Miteinander einstehen. Schwester Saloua lebt in Bonn, studiert Islamwissenschaften und hält in Deutschland regelmässig Referate und gibt Interviews zu aktuellen Themen. Der Fokus ihrer Arbeit liegt auf der muslimischen Jugend, sowie der sozialen Arbeit im Islam. Aktiv ist sie zudem als Menschenrechtsaktivistin und Streetworkerin.
Thema: The next muslim social generation: Zwischen Einsatz und Rechtfertigung
- Daniel Vischer
Daniel Vischer ist ein Schweizer Politiker (Grüne). Vischer studierte ab 1980 Rechtswissenschaft. 1984 schloss er mit dem Lizenziat ab, 1987 erlangte er das Anwaltspatent. Er arbeitet seit 1988 als freiberuflicher Rechtsanwalt. Seine Schwerpunkte sind Strafrecht, Arbeitsrecht, und Scheidungsrecht.
1968 war Daniel Vischer Zürcher Sekretär der Progressiven Organisationen der Schweiz (Poch). 1990 wechselte er zu den Grünen, deren Fraktion er von 1999 bis 2003 präsidierte.
Von 1983 bis 2003 gehörte er dem Kantonsrat des Kantons Zürich an, 1999 bis 2003 als Präsident der grünen Fraktion. 1993 wurde er Präsident der Gewerkschaft VPOD Luftverkehr. Im selben Jahr war er Regierungsratskandidat der Grünen. Von 2000 bis 2005 war er im Verfassungsrat des Kantons Zürich, der beauftragt war, eine neue Kantonsverfassung auszuarbeiten.
Seit den schweizerischen Parlamentswahlen 2003 hat er ein Mandat als Nationalrat. Im Jahr 2003 wurde er Präsident der Gesellschaft Schweiz–Palästina. Vom 28. November 2005 bis zum 2. Dezember 2007 war er Präsident der nationalrätlichen Rechtskommission (RK-NR). Bei den Parlamentswahlen 2007 war er Ständeratskandidat der Grünen Kanton Zürich.
Thema: Mitgestaltung der Schweiz
- Tariq Ramadan
Tariq Ramadan ist ein Schweizer Islamwissenschaftler und Publizist ägyptischer Herkunft. Vom Times Magazin wurde er zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 21. Jahrhunderts gewählt. Ramadan gilt als einflussreiches Vorbild für junge Muslime in Europa, nicht zuletzt wegen der von ihm propagierten Partizipation der Muslime an der westlichen Gesellschaft.
Ramadan besuchte eine Schweizer Schule, wo er eine Klasse übersprang, studierte dann Philosophie (mit Schwerpunkt Nietzsche), Literatur und Sozialwissenschaften in Genf. 1991 begann er ein Studium der Islamwissenschaft an der Al-Azhar-Universität in Kairo.
Als Experte gehörte er mehreren Kommissionen des Europaparlamentes an und ist Mitglied der „Gruppe der Weisen für den Dialog der Völker und Kulturen“ bei der Europäischen Kommission unter Vorsitz von Romano Prodi.
Ramadan arbeitet seit Oktober 2006 als Gaststipendiat am St Antony’s College der Oxford University.
Thema: Teilnahme an der Gesellschaft
Die Referate sind inzwischen alle auf unserer Vereinshompage online verfügbar, so dass sich jeder selbst ein Bild davon machen kann. Für uns von der Ummah wichtige Werte, wie zum Beispiel unser Einstehen für ein friedliches und respektvolles Miteinander, wurden in jedem Referat angesprochen und vermittelt.
Auch für musikalische Darbietung wurde gesorgt: Ammar114 und Sayfoudin 114, die muslimischen Rapper aus Deutschland, waren im Einsatz und sorgten für ein abwechslungsreiches musikalisches Programm. Der Vorstand des Magazins CubeMag aus Deutschland und Vertreter der Organisation Islamic Relief erhielten die Gelegenheit, sich dem Publikum zu präsentieren.
Zwischendurch haben wir natürlich unsere Gebete wahrgenommen und sie gemeinsam verrichtet. Auch gab es für die knapp 1000 Besucher und Besucherinnen des Ummah Days immer wieder kurze Pausen, um kurz frische Luft zu schnappen, etwas Feines zu essen oder einfach ins Gespräch mit bekannten und unbekannten Mitmenschen zu kommen.
Im Eingangsbereich boten verschiedenste Stände ihre Ware an: lehrreiche Bücher und pädagogisch wertvolle Spielsachen für Kinder (von al waha, amanabuch.de sowie der Sprachtruhe), stylische Kleider (vom Label Styleislam aus Deutschland und zohra.ch aus der Schweiz), Wandtattoos der Marke HalalTattoo, Produkte aus Palästina sowie bunte, vegetarische Süssigkeiten vom Bärenland. Es hatte also für alle etwas dabei und man konnte hier ohne Weiteres länger verweilen. Im Essbereich im Obergeschoss konnten sich die Gäste verpflegen (u.a. leckere Fleischwaren von der Geren-Metzg in Stäfa) und gleichzeitig das Geschehen auf der Bühne unten weiter mitverfolgen.
Auch für die Kleinsten wurde gesorgt. Sie durften in der Kinderbetreuung vergnügt mit Gleichaltrigen spielen und sich beschäftigen. Der Eintritt in den vom Verein SKS (Society for Kids in Switzerland) gestaltete Betreuungsbereich kostete Fr. 5.- pro Kind.
Die Sicherheit aller Gäste wurde durch die Anwesenheit von Security-Personal garantiert. Glücklicherweise mussten diese jedoch nicht aktiv einschreiten, da der ganze Tag sehr friedlich und harmonisch verlief. Ein Putzteam sorgte für die Hygiene am Anlass. Diverse Sponsoren, deren Logos auf unserer eigens für diesen Event realisierten Webseite publiziert waren, unterstützen uns mit finanziellen und materiellen Beiträgen. Darunter auch die Stadt Zürich: Sie unterstütze den Anlass mit einem Betrag von Fr. 2000.-.
Medienberichte
Die Medien waren schon vor dem Ummah Day auf uns aufmerksam geworden. Der Tagesanzeiger druckte zwei Artikel: einen vor dem U-Day, an welchem die Ummah sowie der Event vorgestellt wurden, sowie einen Artikel über den Tag selbst. In letzterem Bericht wurde der Tag erfreulich beschrieben. Zitat (Tages-Anzeiger vom 20.12.2010): „[…] – alle Referenten riefen die Jungen zur Partizipation an der Schweizer Gesellschaft auf: Sie sollen örtlichen Vereinen beitreten, Freiwilligenarbeit leisten, in der Politik mitmachen, Parteien beitreten.“ Auf tagi.ch wurde zudem ein Artikel über den Event aufgeschaltet. In weiteren Zeitungen (NZZ, 20min) sowie in Blogs und auf Internetseiten diverser Privatpersonen und Vereine war der Ummah Day ein Thema. Wenn auch die positiven und lobenden Beiträge überwogen, gab es leider auch negative, doch waren diese dann meist von Journalist/innen geschrieben, welche nicht einmal persönlich am Ummah Day anwesend gewesen waren. Auf unsere Anfragen hin, die Kritik zu begründen und die Fakten, auf derer basierend gewisse Aussagen getroffen wurden, offenzulegen, erhielten wir von den betreffenden Personen jedoch keine Reaktion.
Fazit
Insgesamt erhielten wir sehr positive Rückmeldungen zu diesem grossen Anlass. Es darf auf einen farbigen, lehrreichen und vielseitigen Ummah Day 2010 zurück geschaut werden, welcher wie im Fluge vergangen ist. Verschiedenste Menschen, welche verschiedenste Ansichten vertreten, waren dort anzutreffen und doch hatten alle dasselbe Ziel: Miteinander aktiv zu werden, um gemeinsam einen positiven Beitrag für unsere Gesellschaft und Mitmenschen in unserer Heimat, der Schweiz, zu leisten.
Wir von der Schura (Vorstand der Ummah) bedanken uns beim grossen und interessierten Publikum, den tatkräftigen Helfern, den Sponsoren, bei den hervorragenden Rednern und natürlich bei Allah (s.w.t.). Möge Er uns helfen, auch in Zukunft solche wunderschönen, einzigartigen und besonderen Anlässe zu veranstalten inshaAllah.
In dem Sinne freuen uns jetzt schon auf den Ummah Day 2011!
Das Ummah-Team
Einige Links zum Ummah Day 2010:
Vor dem Anlass:
Radio Vatikan : "Schweiz: Muslimischer „Kirchentag“"
Tages Anzeiger 1 : "Muslimische Jugend will vom Schatten ins Licht" (Michael Meier)
Über den Anlass:
SR DRS 1 (bitte zuhören) : "Ummah-Tag: Muslime rappen um Verständnis" (Nicole Marti)
SR DRS 2 (bitte zuhören): "700 junge Muslime treffen sich in Dietikon" (Roger Steinemann)
Tages Anzeiger 2 : "Muslimische Jugendliche haben die Opferrolle satt " (Michael Meier, Interview mit Tariq Ramadan nicht online verfügbar)
Tages Anzeiger 3 : "Die SVP arbeitet gegen die Werte der Schweiz" (Simon Eppenberger)
Islam.ch : "Erster Ummah-Day war ein Riesenerfolg"
Neue Zürcher Zeitung : "I love my Prophet" (Beat Stauffer)
20min : "Stadt zahlt Event mit Islamisten" (Désirée Pomper) - Wir verstehen nicht, wie man über einen Anlass berichten kann, wenn man nicht selbst anwesend war?! Wir laden Frau Pomper und Frau Keller Messahli nächstes Jahr gerne ein, dann können sie sich ein Bild von uns und unseren Werten machen. Dies gilt übrigens für alle Mitmenschen: Kommt und seht selbst! Die anwesenden Journalisten waren kritisch, trotzdem korrekt und zufrieden. Nochmals vielen Dank dafür.
religion.ch : "Ummah Day 2010 - mittendrinn statt nur dabei"
Cube-mag.de: "Gruezi, liebe Geschwister"







